Unterwegsgedanken

Heizung im Sommer und Urlaub vom Reisen

Unser Jeep mag wohl auf Grund seines Übergewichtes keine Steigungen bei Außentemperaturen von 38° C – die Kühlwassertemperatur steigt dann immer gleich in Richtung 120 °C – was dazu führt, das der Motor ins Notlaufprogramm schaltet und die Leistung zurücknimmt.
Keine gute Voraussetzung um die vielen einladenden Trails ins Gebirge zu erkunden – wenn die Maschine nicht funktioniert. Trotz auf Hochtouren laufender Heizung (die hilft die Wärme aus dem Motor abzuführen) zwingt die Wassertemperatur zu regelmäßigen Erholungspausen – selbst auf den gut ausgebauten Hauptverbindungsstraßen.
Schweren Herzens beschließen wir uns für zwei Tage zu trennen, damit Dirk und Sylvia nicht immer auf unsere Kondition (oder besser die des Autos) Rücksicht nehmen müssen und das Wegenetz bis auf 1.800 m Höhe hinauf erkunden können.

Wir programmieren unser Navi auf „Ökonomische Route“ – die vermeidet Steigungen wo es geht und setzen den Kurs auf Nafplio, einem alten Küstenort mit eindrucksvollen Ruinen und charmanter Altstadt, die laut Reiseführer eine der schönsten auf dem Peleponnes sein soll.
Aus der Not eine Tugend machend, entscheiden wir uns die nächsten zwei Nächte in einem Hotel im Zentrum von Nafplio zu verbringen, damit wir bequem die Stadt – übrigens mal Residenz eines griechischen Königs bayerischer Herkunft – erkunden könne.
Bayerischer Löwe

Aber vor Nafplio besuchen wir noch zwei malerische Orte: Monemvassia und Mistras.
Monemvassia liegt auf einer Landzunge an der Ostküste und wird von einem imposanten roten Felsen „bewacht“ auf dem eine Burg thront. Dank der Mittagshitze von 38°C ohne Schatten sparen wir uns einen ausführlichen Spaziergang und erkunden den Ort per Auto … bis zum Eingangstor der Burg.
Der nächste Parkplatz ist aber einen km bergAB entfernt…da gewinnt unser Überlebenstrieb vor dem Bildungsinstinkt. Besser fauler Touris als am Rande des Kreislaufkollapses balancierender Bildungsbürger.

Kirche in Mistras

Weiter geht es nach Mistras, einer mittelalterlichen Stadt im Gebirge. Aus heutiger Sicht malerisch am Steilhang gelegen, aus damaliger Sicht gut zur verteidigen. Die Lage am Felshang bot natürlichen Schutz vor Angreifern. Praktischerweise gibt es auch noch einige Quellen auf diesem Felsen und der regelmäßige Regen hilft die Zisternen zu füllen. Von der alten Residenzstadt der vom Kaiser aus Byzanz entsandten Despoten (die diesen verrufenen Begriff als „Jobtitel“ wirklich führten), entwickelte diese Siedlung zu einer florierenden und reichen Stadt, die das Umland dominierte.

Apsis der Kirche in Mistras

Vom alten Reichtum bezeugen heute immer noch die zahllosen (mindestens drei große und ungezählte kleine) Kirchen, die sich den ganzen Hang hinaufziehen. Der erstaunliche gute Zustand vieler Gebäude zeugt von der mittelalterlichen Baukunst.

Kuppel der Kirche in Mistras

Im Gebirge war es einige Grad kälter als am Meer (33°C statt 38°C) – so dass wir zu einer kursorischen Besichtigung aufbrachen – aber nicht den Baedeker vollständig auf Richtigkeit kontrolliert haben.
Durch die Weinfelder ging es dann mit leider nur einer kurzen Schotterwegeinlage direkt nach Nafplios – mit dem Ziel diesmal ein klimatisiertes Zimmer in der Altstadt zu finden – was Bianca mit Ihrer geübten „Spürnase“ auch perfekt gelang.
Dirk und Sylvia sind irgendwo im Gebirge auf 1.000 m Höhe (die genauen Koordinaten haben sie nicht verraten) beim Offroaden stehen geblieben und haben die Nacht in der Natur verbracht.

Platz in Nafplio

Nafplio hält wirklich was der Reiseführer verspricht. Die Stadt ist gut touristisch erschlossen – also eine große Auswahl an Hotels und Restaurants, gleichzeitig ab auch quirliges Zentrum für das Umland.
Mittwochs ist immer großer Markt – ausnahmsweise ist unsere Terminwahl diesmal perfekt. Also nach dem Frühstück auf zum Marktplatz. Zuerst die unvermeidlichen Klamottenverkäufer, danach zahllose Gemüsestände, immer mit dem fast gleichen Sortiment aus Kartoffeln, Zwiebeln, Knoblauch, Aprikosen, Orangen, Salat, Möhren und Erbsen. Dazwischen eingestreut Händler die eine breite Auswahl an frischen Kräutern feilboten. Am Ende des Marktes dann die Fischhändler, der Auslagen auf den Ständen (vor den dahinter geparkten Kühlwagen) dem Geruch nach mit der Frische der Ware von Verleihnix konkurrieren können – viele Händler haben kaum Eis auf der Auslage – andere präsentieren die Ware deutlich appetitlicher und ohne den typischen „Fischduft“.

Fischhändler auf dem Markt

Gewürze auf dem Markt

Gleich werden wir uns in Nafplios beim Abendessen wieder treffen und die weitere Route planen.

Nafplio Hafen