Unterwegsgedanken

Vom Winde verweht…

Unsere Zeitplanung ist völlig durcheinander – der Sandsturm soll weiter anhalten, so dass wir den Erg Chigaga (auch Chegaga, was richtig ist habe ich nicht wirklich rausgefunden) streichen müssen.

Was tun? Uns bleibt nur weiter zu reisen, gemeinsam entscheiden wir, nach Norden Richtung Ouarzazate zu fahren, durch das Draa-Tal, das sich als grünes Band durch die Berge zieht. Wir nehmen aber nicht (nur) die Hauptstraße, sondern mäandern links und rechts von der Route durch die traditionellen Dörfer- ok nur bis an die Einfahrten, die Labyrinthe im Inneren sind für unseren Hilux doch etwas eng.

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Traditionelle Bauten, Menschen die noch recht einfach leben und die Wäsche im Fluß waschen und tolle Bilder trösten uns etwas über den vorzeitigen Abschied aus der Wüste hinweg.Das die Draa so viel Wasser führt ist ungewöhnlich, im Sommer trocknet der Fluß sogar komplett aus, die Talsperre schließt dann denn Überlauf.

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Am Nachmittag erreichen wir dann Ourzazate, hier endet die Begleitung durch unseren Wüstenfuchs, der die Gelegenheit nutzt uns noch seinen Freund vorzustellen, der hier das Labyrinthe Du Sud betreibt.

Als Toureg in Blau gekleidet empfängt uns der Freund von Mhamdi und spricht – wie er –  beeindrucken gut Deutsch. In den Ausstellungsräumen gibt es eine riesige Anzahl an handwerklich schönen Exponaten aus der Sahara und dem Leben der Nomaden, spannend erzählt.

Labyrinth du Sud

Danach folgt natürlich die Einladung zum Tee und der Besuch des kommerziellen Teils des Hauses, mit Teppichen, Schmuck und schönen Deko-Artikeln. 

Wenn man drauf eingestellt ist (hart) zu verhandeln ist das der Höhepunkt des Tages – wer handeln nicht mag, ist hier falsch. Wir haben beide Spaß daran und machen es immer mit der Good-Cop-Bad-Cop Rollenverteilung. So können wir uns die Bälle zuwerfen und den Preis auf angemessene Beträge senken.

Der Wert einer Schatulle oder eines Schmuckstückes ist für uns objektiv schwer einzuschätzen, also überlegen wir uns einen Zielpreis, was es uns wert ist – nach 20 gemeinsamen Jahren brauchen wir dafür nicht mal eine offene Absprache, den Preis „fühlen“ wir beide.

Irgendwann fragte uns der Verkäufer leicht genervt ob unserer Hartleibigkeit nach unseren Berufen….als er hörte Anwältin und Vertriebler ging es dann was schneller in die richtige Richtung. Jedenfalls haben wir jetzt ein schönes Schmuckkästchen aus der Sahara das uns im Wohnzimmer an die Reise erinnert.

Ob der Wert in Euro dem Preis angemessen war-wir können es kaum nachweisen, es war auf jeden Fall ein vergnüglicher Besuch und wir haben schon mehr Geld für schlechtere Unterhaltung bezahlt.

Dann wir es Zeit den Wüstenfuchs zu verabschieden, zuvor zeigt er uns noch einen Campingplatz „Bivouac La Palmerie“ der nicht weit entfernt ist, saubere Sanitäranlagen und sogar ein Restaurant hat. Interessiert begleitet er uns, da er den Platz auch bisher nur vom Hörensagen kennt…

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Bei einer Kanne Tee verabschieden wir uns und dann beugen wir uns wieder alleine über die Straßenkarte um die weitere Reise zu planen.

Wir entscheiden uns, weiter nach Marrakesch zu fahren, dort auf dem Campingplatz „Relais de Marrakech“ zwei Nächte mindestens zu bleiben und uns die Altstadt anzusehen.

Um nach Marrakesch zu kommen müssen wir wieder über das Atlas Gebirge…nichts was uns im März Angst machen würde.

Wie wir später erfahren war unser Timing perfekt. Wir sind problemlos über die Pässe gekommen, auch wenn wir uns über am Wegesrand geparkte Schneepflüge gewundert haben.

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Die Schneereste am Wegesrand haben wir nicht sonderlich ernst genommen und die tolle Landschaft bewundert…

Pässe und Schnee

…  und uns über die „dynamische Ladungsverteilung“ der Viehtransporte die uns entgegen kamen gewundert – inklusiver der Turneinlagen des Beifahrers.

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So kommen wir einen Tag später bei sommerlichen Temperaturen in Marrakesch an und schlagen unser Camp auf.

Am nächsten Tag treffen wir auf eine Reisegruppe aus Bayern, sechs Geländewagen und Familien mit Kindern, die alle etwas gestresst wirken. Sie erzählen uns, dass zwei Versuche über den Atlas zu kommen leider an wegen Neuschnee gesperrten Straßen gescheitert sind und ihr Zeitplan gerade ins Rutschen gerät. Der Sandsturm aus der Wüste ist in den großen Höhen über 2.500 m dann zum Schneesturm mutiert. Wir hatten wirklich das perfekte Timing.

Marrakesch ist vom Campingplatz aus mit einem Sammeltaxi (an der Rezeption vorbestellen) sehr bequem und preiswert erreichbar. Wir steigen an der alten Stadtmauer aus und lassen uns treiben, schließlich haben wir den Stadtplan ja „offline“ im Handy.

Sobald man die Touristensouks verlässt ist man keine wandelnde Sales Opportunity mehr – die Schreiner und Schweißer ahnen wohl das wir weder Betten noch Balkongitter mitnehmen wollen. Wir beobachten still das normale Leben, wie die Menschen in den engen Gassen der Medina ihren Handwerken –  zünftig sortiert – nachgehen.

Nur als wir dann wieder zurück gehen wollen, stellen wir fest, dass die engen Gassen der Altstadt den GPS Empfang zuverlässig verhindern. Wir sind völlig lost, auf dem kleinen Bildschirm kann man kaum die Struktur erkennen um die Position traditionell zu ermitteln.

Also suchen wir uns einen größeren Platz, stellen uns mitten drauf und das GPS findet uns. Der „Djemaa el Fna“ ist genau südlich von unserer Position – also laufen wir jetzt stur nach der Kompassnadel gen Süden. Wenn es nur Gassen nach Westen gibt suchen wir danach wieder eine nach Osten. So finden wir dann im Zickzack das Touristenzentrum wieder – mitsamt seinen Restaurants (ahhh endlich sitzen)…

 

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