Unterwegsgedanken

Freie Heilfürsorge und Berge

Der Tag begann leider nicht optimal. Dirk wollte aus dem bequemen Campingsessel (darüber sollte man auch mal ein eigenes Kapitel schreiben) aufstehen, um seiner Sylvia etwas anzureichen – und plötzlich durchzuckte ihn ein stechender Schmerz, eine seiner Bandscheiben hat sich scheinbar entschieden aus der Reihe zu springen.
Also das Tagesprogramm umgeschmissen – den Ausflug zur malerischen „Ochsenbucht“ mit anschließenden Aufstieg zur Höhle des Nestor und der darüber liegenden alten Burg zusammengestrichen auf einen kurzen Jeep-Ausflug bis fast auf den Strand der Ochsenbucht. Nur unser Anstand hat uns dran gehindert die beiden Jeeps bis auf den Strand zu fahren – aber wir haben zumindest für keinen PKW einen der ausgewiesenen Parkplätze blockiert. Da Jeeps keine Landys sind, markieren sie auch nicht ihr Revier und wir haben ausser Reifenabdrücken keine Spuren hinterlassen.

Ochsenbucht.1
Neben einem kurzen Bad in den Fluten war dann der wichtigste Tagesordnungspunkt ein Gespräch mit dem ADAC, wo denn der der nächste Orthopäde sei – am Samstag kein leichtes Unterfangen.
Nach Rückruf durch den ADAC wurden wir dann an die öffentliche Klinik in Klamata verwiesen – die zumindest dem Garmin nüvi bekannt war.
Also auf, allen Versuchungen auf Schotterwege abzubiegen widerstanden und auf dem schlaglochärmsten Weg in die Klink.
Während die zwei Damen unserer Reisegruppe und der Patient sich in der Klink meldeten, programmierte Jens das nüvi auf die nächste Bank…Luftlinie 5,4 km.
Der Weg zu Bank führte ein Dorf zurück, vorbei am Flughafen von Kalamta. Flughäfen habe doch Geldautomaten schoss es Jens durch den Kopf – also flugs abgebogen und sogar einen Parkplatz (kostenlos) gefunden.
Die Inspektion von Abflug- und Ankunfthalle dauert drei Minuten – aber ohne einen Geldautomaten zu finden. Offenbar haben die Kunden von Ryan Air und Easy Jet (die einzigen Fluglinien die hier landen) keinen Bedarf an frischen Bargeld.
Zurück im den Jeep und den nüvi gefolgt – schon hatte Jens die Auswahl zwischen zwei Banken – so dass wir jetzt genug Bargeld für die erwartete Arztrechnung haben.
Auf dem Rückweg zum Krankenhaus noch schnell beim nächsten Supermarkt Kekse, Schokolade und sonstigen Proviant gebunkert –falls das im Krankenhaus doch länger dauert.
Nach einer halben Stunde zurück im Krankenhaus vom Kalamata fand ich den Patienten und sein Begleitkommando noch im Wartezimmer, das ausweislich der Anschlüsse für Betten auch als FÜNF-Bett Zimmer genutzt werden kann.
Obwohl es ein Samstagnachmittag war, standen die Patienten im Flur, vor der Tür (rauchend) und im Wartezimmer an.
Nach einer guten Stunden Wartezeit wurde Dirk dann aufgerufen – Begleitet von Bianca und dem Bing Translator auf dem Windows Phone ging es dann in den Behandlungsbereich, in dem mehrere Patienten parallel behandelt wurden – eben noch ein offener Schienenbeinbruch versorgt, dann war Dirk dran. Bing Translator kannte die Begriffe für Bandscheibenvorfall und Hexenschuss auf Griechisch, der Rest wurde mit Englisch erledigt.
Insgesamt wirkte der Behandlungsraum ziemlich chaotisch. Nachdem Bianca und Dirk der Schwester klar gemacht hatten, dass Röntgen bei einem Hexenschuss wohl wenig hilft und wir keine Lust hatten, noch länger im Krankenhaus zu verweilen, meinte die behandelnde Dame: Ok, sie könnten ein Schmerzmittel spritzen. Dies müsste aber eine Schwester tun (Spannende Frage: Was war die Dame dann???). Bis die Schwester erschien, dauerte es dann wieder 20 Minuten… Zwischendurch schaute ein Arzt durch den Vorhang (Back? Ok. Und weg war er wieder).
Dann erschien die Schwester und wenige Minuten später hatte Dirk ein Schmerzmittel gespritzt bekommen und war wieder draußen. Auf Biancas Frage, wo man denn zahlen müsse, kam nur die Antwort: Nirgendwo. Lesson learnt – offenbar gibt es in Griechenland eine kostenlose Grundversorgung – auch für Nicht-Griechen…