Unterwegsgedanken

Endlich Afrika!

Freedom & Justice

Der erste Tag nach unserer Ankunft am Dienstag Abend war zum akklimatisieren gedacht – langsam an Afrika gewöhnen- Deshalb haben wir den Mietwagen erst ab Donnerstags reserviert (dazu später)

Am Mittwoch haben wir erst mal ausgeschlafen, in einem kleinen Hotel an der Universität. Klimatisiertes Zimmer, sehr aufmerksames Personal und offenbar auf Europäer eingerichtet.

Wir hatten das Frühstück für 8.30 angekündigt, um 8.33 klingelt überraschend das Telefon im Zimmer, das Frühstück wäre fertig, wo wir den stecken – ist das Afrika?

Nach dem gehaltvollen Frühstück bemühen wir einen Uber (ja, die gibt es auch in Ghana), um in die Stadt zu fahren. Am Independence Square lassen wir und dann absetzten, um von hier zu Fuß Accra zu erkunden.

Der riesige Platz ist offenbar für Aufmärsche mit Tribünen, Ehrenloge, großer Feuerschale in olympischen Dimensionen designt worden. Natürlich fehlt auch der obligatorische Triumphbogen nicht, hier mit einem schwarzen Stern dem Jahr der Unabhängigkeit (1957) sowie den Anspruch der Gründer der ersten Republik (Freedom and Justice). Nach den für das damals junge Afrika üblichen Putschen und Phasen relativer Demokratie bezeichnen die Ghanaer ihre jetzige Verfassung als 4. Republik, die auch regelmäßig friedliche Regierungswechsel kennt.

Vom politischen Ghana wollen wir in Richtung eines der zentralen Märkte laufen – auf einer Strecke von rund 3 km, auf der man zu Fuß deutlich schneller unterwegs ist als mit dem Auto,

Accra erstickt im Verkehr. Jeder der es zu etwas gebracht hat, zeigt das durch einen PKW. Dazu kommen ungezählte kleine Stadt-Taxis und die gesamte Mercedes Sprinter Produktion vor Modeljahr 2010 als (privater) pseudo Linienverkehr. Übrigens passen nach afrikanischer amtlicher Auffassung in einen Sprinter (je nach Modell) 23-26 Personen. Zweiräder gelten hier als „arme Leute“ Fortbewegungsmittel und sind verpönt. Fahrräder haben wir praktisch keine gesehen, die in vielen Metropolen allgegenwärtigen Mopeds oder Motorroller nur in sehr kleiner Anzahl.

Afrika wäre nicht Afrika, wenn aus dem Dauerstau in Accra nicht mindestens eine Geschäftsidee erwachsen wäre. Fliegende Händler bieten von kalten Getränken über Gebäck bis hin zu Büchern, Ladegeräten für Smartphones bis zum Klopapier alles an. Den Feierabendeinkauf mal eben aus dem Autofenster (Ok weder Fleisch noch Gemüse wurde angeboten)

Dr. Kwame Nkruma
Dr. Kwame Nkruma

Dem ersten Staatspräsidenten Dr. Kwame Nkrumah ist ein Park gewidmet, seine Statue weist mit ausgestrecktem Arm in die Zukunft eines freien und geeinten Afrikas (sozialistischer Prägung). Eher zufällig finden wir auf der Suche nach etwas Schatten sein Grab, das erst seit den frühen 90er Jahren seine endgültig letzte Ruhestätte ist. Umstritten wie viele Gründungspräsidenten, die ihre Macht als Freiheitskämpfer oft mit den gleichen Mitteln sicherten wie ihre kolonialen Vorgänger, Machtentfaltung des Amtes auch mit persönlichem Luxus verbanden (sein alter Cadillac steht auch noch in einer gläsernen Garage) wurde er vom Militär aus den Amt geputscht. Erst der Vergleich mit seinen oft korrupten Nachfolgern zeigte, das er bei allen Fehlern eine positive Vision hatte (kompakt nachzulesen im Ghana Reiseführer von Peter Meyer Verlag, Jojo Cobbinah)

Nach so viel Geschichte haben wir dann, das am Weg liegenden, Oberste Gericht geflissentlich ignoriert, um endlich den größten Markt in Accra zu finden. Immer dahin, wo mehr Menschen sind, ist unser Kompass … und schon stehen wir an (einem) Eingang.

Genau so haben wir Afrika erwartet, viele Menschen, ein Gewirr von engen Gassen (jeder deutsche Brandschutzingenieur wäre akut Herzinfarkt-gefährdet), eine Gasse mit den Wohlgerüchen von Seife, eine mit Gebäck…

Der riesige Unterschied zu Nordafrika ist, das die Menschen hier Touristen nicht penetrant als Sales Opportunity ansehen, uns nicht aggressiv hinterher gelaufen sind…

Nachdem wir genug Markt haben, gehen wir durch die Gassen des Elektrofachhandels, der von Kabeln über Schütze bis hin zur Straßenbeleuchtung alles anbietet, wieder zur Hauptstraße, die praktisch parallel zum Strand verläuft, auch wenn das Meer nicht sichtbar ist.

Uns reicht es für einen Eingewöhnungstag, per Uber geht es zurück ins Hotel….