Unterwegsgedanken

Düstere Vergangenheit: Cape Coast Castle

Samstag und damit der zweite Tag im Cliff Haven Resort. Strand oder was ansehen? Klar, was ansehen! Also ab ins Auto und auf nach Winneba, einer Universitätsstadt an der Küste mit schönem Fischereihafen. Wir schlendern durch die Stadt und genießen wieder einmal den Trubel auf den Straßen.

Es ist Mittag, wir wollen erst mal wieder raus aus der Sonne und wir fragen uns: Was nun? Zurück? Mhh, ist noch so früh. In einem Anfall von Überschätzung kommt Bianca auf die Idee:

Cape Coast ist nur (! – ja ich hätte es inzwischen besser wissen müssen) 70 km entfernt. Dort gibt es eine ehemalige „Sklavenburg“. So richtig können wir und darunter nichts vorstellen und der Reiseführer empfiehlt einen Besuch sehr.

Mal eben schnell nach CapeCoast

Also auf nach Cape Coast. 70 km sind in Ghana eben doch nicht in einer Stunde zu schaffen (vor allem nicht mit besagtem berüchtigtem Polizei-Kontrollpunkt: https://overlandtravel.eu/erfahrungen-mit-der-polizei-oder-you-are-now-my-friend/) und so treffen wir erst gegen 15 Uhr an der Burg ein. Wir haben Glück und in 20 Minuten gibt es eine Führung.

Die Burg wurde vor etwa 200 Jahren von den Schweden erbaut und ist gut erhalten. Sie diente als Sammelpunkt „Lager“ für Sklaven, die von Cape Coast Castle in alle Welt verschifft wurden.

Schweden hatten wir im Bezug auf Skalvenhandel gar nicht auf dem Zettel. An der Gold-Coast gab es doch einige Stützpunkte, die bis ins 19. Jahrhundert von den Schweden für den Sklavenhandel benutzt wurden. Die Besitzer dieser Sklavenburg wechselten in den Jahrhunderten so oft, das wir den Überblick verloren haben, aber eines blieb konstant: Das Leiden der Sklaven in den Verliesen unter der Burg

Beeindrucken: Die Führung durch die Burg

Die rund 90-minütige Führung durch die Burg ist beeindruckend und bewegend. Man fragt sich, wozu Menschen fähig sind…

In den Kellern der Burg wurden auf engstem Raum Männer und Frauen (getrennt) eingepfercht, bis sie per Schiff „exportiert“ wurden.

In einer Gruppe geht es mit einem Führer in die Verliese. Die Gruppe besteht aus ca. 20 Personen, davon nur 5-6 Obroni (wie Weiße in Ghana genannt werden)

Über ein Rampe geht es in das Männer-Verlies. Die Rampe erleichtert den Skalvenfängern ihre angekettene Beute in den Keller zu treiben. Unten leuchten nur wenige Lampen den Raum aus, der verwinkelt und durch niedrige Torbögen um die Ecke führt. Der Führer bleibt etws zurück… wir denken uns nur, das er dafür Sorge tragen will, das alle mitkommen.

Kaum sind wir alle unten Verlies erfahren wir warum der Führer zurückgeblieben ist… er schaltet das Licht aus. Augenblicklich herrscht beklommene Stille. Außer durch einen schmalen Belüftungsschaft dringt kein Licht nach unten. Es ist stockdunkel, der Boden trügerisch, weil in den Boden in der Mitte eine Rinne eingelassen ist.

Wir alle fühlen was es bedeuten könnte hier lange eingesperrt zu sein, in der Dunkelheit nehmen wir Gerüche, Hitze andere Körper intensiver wahr. Zum Glück geht nach gefühlten 2 Stunden, realen 2 Minuten das Licht wieder an. Erleichterung.

Jetzt erklärt der Führer auch was es mit den Rinnen auf sich hat: Sie dienten dazu die Fäkalien abzuführen und münden irgendwann im Meer. Wir stellen uns vor wie es hier gestunken haben muss.

Er zeigt uns eine Stelle an der das Sediment der Jahrhunderte noch erhalten ist und erklärt das eine Analyse im Labor Reste von Blut, menschlichem Fleisch, Kot, Urin und Dreck ergeben habe. An den meisten Stellen ist das Sediment entfernt worden, um den Ziegel-Boden freizulegen.

Die Enge der Räume ist greifbar. Bis zu 300 Personen waren auf gefühlten 60 qm eingesperrt – und das bis zu drei Monate. Ohne Möglichkeit, sich hinzulegen, ohne Toilette, ohne Licht, nur mit dem nötigsten an Nahrung und Wasser. Wir haben uns gefragt, wie überhaupt jemand das überleben kann.

Kraft zur Rebellion hatten in dieser Umgebung die Wenigsten. Die dies dennoch versucht haben, erlitten ein noch grausameres Schicksal:Sie wurden in eine Einzelzelle gesperrt, hinter schalldichten Türen, ohne Nahrung, Wasser, Belüftung. Die Türen wurden erst wieder aufgemacht, wenn sich der Unglückliche nicht mehr regte…

Über dem Skalven-Verlies befand sich übrigens passenderweise die Kirche für die Sklavenhändler…

Das genaue Gegenteil zum Elend im Keller waren die Wohnräume der Sklavenhändler. Großzügig und luftig gebaut, mit Blick durch große Fenster auf das Meer.


Man(n) versüßte sich das Leben ab und an auch mit einer hübschen Sklavin. Sie wurde dann aus dem Keller nach oben gebraucht, gewaschen, dem Herrn zur Verfügung gestellt und anschließend wieder in den Keller gebracht. Damit die Auswahl einfacher war, hatte das Frauen-Verlies auch ein größeres Fenster zum Hof him, durch das die Sklavenhändler ihre Wahl treffen konnten.

Nach zwei oder drei Monaten kam dann das Schiff und die Sklaven wurden in der Regel ohne Widerstand durch die „Door of no return“ aufs Schiff getrieben.

Uns hat die Führung sehr berührt und wir können jedem, der in der Gegend ist, nur ans Herz legen, Cape Coast Castle zu besuchten.

Es war auch sonst ein recht aufwühlender Tag. Auf dem Hinweg die Polizeikontrolle vor Cape Coast, auf dem Rückweg mal wieder Ghanas Straßen und Pisten bei Dunkelheit fahren inklusive eines saftigen Staus… Sonntag war definitiv Beach angesagt!

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