Unterwegsgedanken

Al Hada – oder Baboons im Nebel

Von Riad nach Dschidda (Jeddah)  sind es über 1000km –  da stellte sich die Frage nach einem Zwischenstopp.

Mekka ist als heiligste Stadt des Islams nur für (nachweisliche) Moslems zugänglich. So blieb der Blick auf der Karte bei Taif hängen. Aber nach drei Nächten Großstadt wieder mitten in die große Stadt? Hmm, für uns Landeier doch eher nicht so die Idee. Wieder der Blick auf die Karte – Was schlängeln sich denn da für nette Straßen offenbar ins Gebirge? Schnell war der Plan gefasst, als nächsten Stopp nach Riad die Kleinstadt Al Hada anzusteuern. Sind ja nur schlappe 800 km…

Früh morgens um 7 Uhr geht es in Riad los. Das übliche Chaos auf den Straßen – wenn auch weniger Berufsverkehr als befürchtet – zumindest stadtauswärts. Bei gefühlten 20 km Stau stadteinwärts machen wir einen „Mental Note to Ourself“: Niemals morgens nach Riad reinfahren!

Irgendwie schaffen wir es, das Auto heil aus Riad herauszubekommen. Wir stellen wieder mal fest, dass man für Spurwechsel weder Blinker noch Rück-oder Seitenspiegel braucht… meinen zumindest die Locals.

Nachdem wir Riad hinter uns gelassen haben, folgen die nächsten Stunden auf einer perfekt ausgebauten Autobahn mit drei Spuren in jede Richtung. Je weiter wir fahren, desto weniger PKW sehen wir. Die LKWs sind bei weitem in der Mehrzahl. Viele transportieren schwere Stahlteile in allen möglichen Erscheinungsformen. Für uns erstaunlich: man sieht keinen Rost am Stahl – Wüstenklima sei Dank.

Die ersten drei Stunden sind wir ganz fasziniert von der Landschaft. Zuerst gibt es noch den ein oder anderen Felsen (Berg wäre etwas übertrieben), dann nur noch flache Sandfelder in riesiger Ausdehnung. Ab und zu ein Pflanzenbüschel und einige Dromedare – mehr nicht. Praktischerweise gibt es an diesen 700 km im nichts aber genug Tankstellen. Um Sprit und Wasser muss man sich keine Sorgen machen.

Dank einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 120 (Stau kennt die Strecke nicht), treffen wir an späten Nachmittag in Al Ahda ein. Die Kleinstadt liegt auf 2.000m Höhe und ist im Sommer gut besucht. Darauf deuten zumindest einige große Hotels hin.

Wir haben uns für das Le Meridien entschieden. Das Hotel hat eine super Lage mit toller Aussicht – und im Februar einen ziemlich leeren Parkplatz. Wir beziehen unser „Zimmer“. In einem Anfall von Großzügigkeit hatten wir uns eine Suite gegönnt – aber nicht damit gerechnet, dass wir gleich eine ganze Wohnung bekommen: mit Schlafzimmer, Ankleidezimmer, zwei Bädern, Esszimmer, Küche und Wohnzimmer. Wir genießen die Aussicht, machen noch ein paar tolle Aufnahmen vom Balkon auf das beleuchtete Alhuda – und bestellen uns Essen aufs Zimmer. Wozu haben wir schließlich ein Esszimmer?

Apropos Essen gehen: „Normale“ Restaurants sind eher spärlich gesät.

Wir haben in Riad durchaus gehobene Restaurants entdeckt. Zudem gibt es Restaurants in den großen Hotels und Fast Food (in arabischer oder amerikanischer Ausprägung). Aber die Mittelklasse fehlt irgendwie – oder wir haben sie in den ersten Tagen mangels Sprachkenntnis nicht entdeckt.

Am nächsten Morgen geht es nach einem ausführlichen Frühstück zuerst zum Fruit Market in Al Hada. Früchte ohne Ende! An einem Stand bleiben wir stehen und bekommen sofort Erdbeeren, Mango und lokale Mandarinen zum Probieren. Wir entscheiden uns für eine Kiste super süßer Mandarinen als Wegzehrung. Eine Banane gibt’s noch dazu geschenkt und unsere Frage, ob wir ein Foto vom Stand machen dürfen, wird gerne bejaht. Nicht ohne dass der Eigentümer auch ein Selfie mit uns vor seinem Stand macht. In einem Shop daneben kaufen wir noch Rosenseife als Mitbringsel und machen uns wieder auf den Weg.

An einem U-Turn treffen wir auf die ersten Baboons, die sich dort wohl regelmäßig aufhalten, weil sie von den Einheimischen gefüttert werden. Wir machen ein paar Fotos, aber es zieht schon Nebel auf. Das Phänomen hatten wir am Abend vorher schon beobachtet: Wolken schieben sich ins Tal und im Handumdrehen sieht man nichts mehr. Der Nebel war dann aber auch genauso schnell wieder weg.

Wir beschließen nach Taif zu fahren. Wir brauchen einen ATM und Bianca hat die Illusion, ein wenig im Städtchen zu flanieren. Der ATM ist schnell gefunden und frisches Geld besorgt. Nur das mit dem Flanieren ist so eine Sache – nämlich offenbar total unüblich.

Außer uns kommt keiner auf so eine komische Idee und entsprechend einladend ist der Bürgersteig – immer wieder unterbrochen und nicht wirklich nett. Also von den Einheimischen lernen, ins Auto setzen und zwei Kilometer weiter fahren. Fahrradfahrer sind übrigens genauso unüblich wie Fußgänger: wir sehen keinen einzigen!

An unserem nächsten Stopp – der historische Teil von Taif mit kleinen Shops – stellen wir fest, dass die Shops zwischen 12 und 16 Uhr zu haben. Wir kämpfen noch ein wenig mit der Park-App, die Parkuhr akzeptiert nur Münzen und wir haben noch keine einzige Saudische Münze gesehen. Die App ist schnell installiert, etwas Guthaben von der Kreditkarte eingezahltt, aber auf welchem Parkplatz stehen wir jetzt genau? Die GPS Karte ist nicht wirklich hilfreich, weil wir eine Parkplatznummer aus 3 möglichen auswählen sollen, aber nicht wissen welcher der richtige ist.

Leicht frustriert beschliessen wir dann, dass geschlossene Shops nicht so der Hit sind und am späten Nachmittag wieder zu kommen.

Auf dem Weg zurück wollen wir die Baboons nochmal mit der Nikon fotografieren. Tun wir auch. Die Idee, nicht diesen sondern den nächsten U-Turn zu nehmen, beschert uns 20 km extra und ein tolles Bergpanorama.

Zumindest erahnen wir es, denn der Nebel kommt wieder. Diesmal deutlich heftiger. Stellenweise sieht man keine 10 m weit. Was die Saudis nicht zu interessieren scheint: Warnblinker an und Gas. Hmmm, seit wann schaltet man mit dem Warnblinker das Radar ein??? Funktioniert bei unserem Auto nicht. Schade

Zurück im Hotel gibt es dann das verdiente Mittagsschläfchen. Wir wollen gegen 16 Uhr wieder los. Aber – der Blick aus dem Fenster lässt unsere Motivation sinken: Der Nebel hat alles verschluckt, man sieht nichts mehr. Also warten und faulenzen wir noch was. Wider Erwarten wird es jedoch nicht besser. Tja, dann wird das wohl ein fauler Nachmittag mit Zeit, diese Zeilen zu schreiben…

Bis zum nächsten Morgen sollte sich der Nebel nicht mehr verziehen – um die Bergregion mit Seilbahn doch noch zu erkunden müssen wir wohl noch mal wiederkommen.

Bei der Abreise werden wir vom schönsten Sonnenschein verabschiedet

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